Gemeinsam mit dem Kollektiv Kritik und Subversion wurde erneut die Veranstaltungsreihe Riot statt Rosen organisiert. Mehr Infos hier: http://riotstattrosen.blogsport.eu/

Zu Beginn des Jahres 2019 blicken wir weiterhin auf patriarchale
Strukturen. Noch immer versuchen bürgerliche und reaktionäre Kräfte uns
etwas über Gendermainstreaming und traditionelle Rollenverteilungen
weiß zu machen. Und obwohl uns immer wieder erzählt wird, es würde sich
etwas ändern, so müssen wir doch einsehen: Die ergriffenen Maßnahmen
sollen uns wohl eher ruhig- als zufrieden stellen.
Das Vorhaben der Stadt Hannover, endlich eine halbwegs gendergerechte
Sprache einzuführen, ist nicht konsequent genug. Betrachten wir die
aktuelle Lage in Hannover, in der die gendergerechte Sprache seit Anfang
dieses Jahres eingeführt wurde, so wird deutlich, wie weit entfernt wir noch
von einer wirklichen Gleichberechtigung der Geschlechter sind. Es
formierte sich, neben dem Streit unter den etablierten Parteien, auch eine
heftige Diskussion der Bürger*innen. Hierbei wird deutlich, dass es zu
keiner ausreichenden Sensibilisierung für die Unterdrückung von Personen
außerhalb des binären Geschlechtersystems kam. Dabei sollte diese
Debatte, vielmehr als jede Imagekampagne, in den Vordergrund gestellt
werden.
Auch der angebliche Kompromiss zum §219a, der im Grunde einen
Rückschritt für betroffene Frauen* bedeutet, ist eine ernüchternde
Entwicklung in unserem stetigen Kampf für die Selbstbestimmung über
den eigenen Körper. Das Informationsverbot für Ärzt*innen bleibt
bestehen, weswegen viele nicht mehr explizit darauf hinweisen wollen.
Darüber Informierende wurden in nicht wenigen Fällen von
Lebensschützer*innen bedroht, belästigt und sogar angezeigt. Für Frauen*
mit dem Wunsch nach einem Schwangerschaftsabbruch bleibt es also
weiterhin schwierig auf seriöse Weise jemanden zu finden der diesen auch
vornimmt. Die Selbstbestimmung über den eigenen Körper ist weiterhin
nicht möglich. Außerdem wird die Stigmatisierung für alle Beteiligten
weiter aufrechterhalten.
Zusätzlich bleibt die Care- und Reproduktionsarbeit der Hauptbestandteil
im Alltag von Frauen*. Frauen* erledigen 75 – 90% der Hausarbeiten wie
Waschen, Bügeln, Kochen und Saubermachen. Im Kontext des
kapitalistischen Wertesystems wird diese Arbeit weder bezahlt, noch in
ihrem vollen Umfang anerkannt. Frauen* haben sich somit einer doppelten
Belastung auszusetzen, wenn sie sich in der klassischen Lohnarbeit
integrieren wollen.
Die aktuellen Zustände bekräftigen uns in unserem feministischen Kampf
gegen die herrschenden Verhältnisse. Dabei sind wir nicht alleine. Weltweit
kämpfen Frauen* gegen unterschiedliche Formen der Unterdrückung und
wir wollen uns solidarisch zeigen.
In diesem Jahr versuchen wir deshalb unseren Blick zu erweitern und im
Sinne eines internationalen Frauen*tages den auf feministische Kämpfe
überall auf der Welt zu schauen.
Erinnern wir uns an die feministischen Unibesetzungen in Chile im Mai
2018 und die tausenden Frauen*, die in gesamt Lateinamerika auf die
Straßen gehen. An die 5,3 Millionen Frauen*, die in Spanien im
vergangenen Jahr ihre Arbeit niederlegten. An die kurdischen Frauen*, die
für ihre Freiheit und eine neue Gesellschaft kämpfen. Und alle weiteren,
die tagtäglich Widerstand leisten!
Wir wollen uns Ihnen anschließen und nicht weiter hinnehmen was man
uns anbietet und wie man mit uns umgeht.
Der internationale Frauen*tag bleibt für uns also weiterhin ein Kampftag
und kein Feiertag! Wir begnügen uns nicht mit Blumen, nicht mit kleinen
Errungenschaften auf dem Weg zur Gleichstellung. Feministisch kämpfen
bedeutet für uns, sexistische Herrschaftsverhältnisse anzugreifen. Wir
fordern: Riot statt Rosen!