Archiv für Februar 2011

Gender Mainst(r)eaming – alles bloß heiße Luft?

1995 fand in Beijing die 4. UN Weltfrauenkonferenz unter dem Motto „Handeln für Gleichberechtigung, Entwicklung und Frieden“ statt. Ergebnis dieses Zusammentreffens war ein Forderungskatalog, der von insgesamt 189 Staaten im Konsens verabschiedet wurde. Wichtige Punkte des Katalogs waren die Gleichstellung der Geschlechter in allen Bereichen der Gesellschaft (d.h. Politik, Wirtschaft, Kultur) zu fördern, die Rechte der Frauen zu schützen, die Armut von Frauen zu bekämpfen, Gewalt gegen Frauen als Menschenrechtsverletzung zu verfolgen und geschlechtsspezifische Unterschiede in der Gesundheitsversorgung und im Bildungssystem abzubauen. Die Machtgleichstellung der Frau und die Gleichberechtigung von Frauen und Männern befand die Konferenz als Grundvoraussetzungen für die Herbeiführung politischer, sozialer, wirtschaftlicher, kultureller und ökologischer Sicherheit in der Welt und sprach damit die Problembereiche an, in denen Frauen nach wie vor benachteiligt und diskriminiert wurden, obwohl die Gleichstellung auch schon Ziel der Zukunftsstrategien, die aus früheren Weltfrauenkonferenzen resultierten, waren. Die Erklärung von Beijing schrieb nun fest, wie die Probleme von den zuständigen Stellen angegangen werden sollten, um sie zu lösen: Zunächst sollte eine Problemdiagnose der jeweils einzelnen Problemfelder vorgenommen werden, um dann strategische Ziele festzulegen und die konkreten Maßnahmen auszuloten, die von den einzelnen Akteur_innen ergriffen werden sollten.
Schlussendlich verpflichtete die Resolution von Beijing die Mitgliedstaaten dazu, in ihren nationalen Strategien ein Konzept zur Implementierung von Gender Mainstreaming zu entwickeln. Das hieß, dass in Zukunft jedes politische, wirtschaftliche oder auch kulturelle Vorhaben und dessen Konsequenzen aus geschlechtergerechter Perspektive geprüft und dementsprechend modifiziert oder nicht durchgeführt werden sollte. Also müssten Reflexion und Analyse der Auswirkungen auf die Geschlechterverhältnisse politischem, organisatorischem und auch unternehmerischem Handeln vorausgehen, um mehr Geschlechtergerechtigkeit zu erzielen. (mehr…)